Ab: Warnemünde
– Gotland/Visby – Tallinn – Helsinki – Stockholm –
An: Warnemünde
Visby
In Zeiten des mittelalterlichen Faustrechts und einer unberechenbaren Wildnis hatten Fernhändler immer den Tod vor Augen. Auch Neid, Missgunst und Gewalt untereinander erschwerten den Handel.
Bereits vor und während der Wikingerzeit war Visby ein bedeutender Handelsort, der später als Hansestadt im Konkurrenzkampf mit Lübeck – der anderen Königin der Hanse – den Kürzeren zog.
Die trutzigen Stadtmauern bewahren bis heute ein buntes Gewirr von Gassen und Plätzen mit ehemals stolzen Hansehäusern, verwunschenen Klostermauern, romantischen Ruinen und dem alles überragenden Dom.
Von der alten Hansestadt Visby geht es weiter zur estnischen Hansestadt Reval, das heutige Tallinn.
Tallinn
Im Hochmittelalter bestimmten reich gewordene Kaufleute das Geschehen der Städte, schlossen Bündnisse mit anderen Handelsmetropolen.
In der östlichen Ostsee gründeten deutsche Hansekaufleute Reval, das estnische Tallinn, das sich zum starken Global Player beim einträglichen Handel mit Nowgorod entwickelte.
Direkt hinter der Stadtmauer lebten und arbeiteten Handwerker und Tagelöhner, heute sorgen dort lauschige Ecken und Hinterhöfe mit Cafés, kleinen Lädchen und Weinstuben für ein romantisches Wohlbefinden.
In der Oberstadt lebten die Stadtherren, die Geistlichkeit und die städtische Elite. Und das sieht man bis heute. Übrigens, einer der alten Paläste beherbergt die deutsche Botschaft.
Eine russisch-orthodoxe Kirche und der barocke Schlossneubau in den alten Gemäuern zeugen von der russischen Phase Estlands.
Auf Tallinn trifft der Werbeslogan „Mittelalter trifft Moderne“ für alle sichtbar zu, denn auf dem Rückweg zum Schiff, ist seit dreißig Jahren das moderne und junge Tallinn entstanden: in einem alten Industrieviertel entstanden in den letzten Jahren trendige Designerboutiquen und eine urige Gastronomie.
Ringsherum wächst eine futuristisch anmutende und skandinavisch orientierte neue Stadtlandschaft in die Höhe.
Helsinki
Direkt gegenüber des alten Reval am Finnischen Meerbusen gründete der Schwedenkönig Gustav Wasa um 1550 den Konkurrenzort Helsinfors, das heutige Helsinki.
Die königlichen Hoffnungen auf eine neue Handelsmetropole sollten sich nicht erfüllen, denn Helsinki verharrte für Jahrhunderte im Schlafmodus.
Zu Beginn des 19.Jahrhunderts wurde die Stadt auch noch in einem der vielen schwedisch-russischen Kriege völlig zerstört.
Danach baute man die Stadt wieder auf, und zwar völlig einheitlich im damals modernen Stil des Klassizismus.
Eine neue europäische Stadtschönheit war geboren: die „eisige Lady der Ostsee“.
Das 19.Jahrhundert war die russische Zeit in Finnland. In Helsinki symbolisiert diese Periode die reich verzierte russisch-orthodoxe Kirche.
Helsinki, bezeichnet man als späte Hauptstadt eines späten Staates, denn den Staat Finnland gibt es erst seit 1917.
Jahrhunderte war Finnland eine schwedische Provinz und seit dem besticht durch seine architektonischen, atmosphärischen und naturgeographischen Kontraste. Wobei die überschaubare finnische Hauptstadt -eingebettet in eine meerumflutete Insel- und Schärenlandschaft- Natur und Mensch auf bestechende Weise verbunden hat.
Auf Ostseewellen gleiten wir auf dem gleichen Breitengrad weiter westwärts in Richtung Stockholm.
Stockholm
Die Einfahrt durch den Schärengarten vor Stockholm ist für alle ein erstes großes Erlebnis. In der Regel moderiere ich auf den Außendecks das sanfte Gleiten durch die unzähligen von den Eismassen der letzten Eiszeit rundgeschliffenen kleinen Steinbuckel.
Je weiter wir uns Stockholm nähern, steigt die Landschaft allgemein an und so werden die Schären auch immer größer und kompakter mit Bäumen und Sträuchern.
Stockholm, vor mehr als 700 Jahren an der strategisch bedeutsamen Lage zwischen Ostsee und dem weit ins Binnenland reichenden Mälarsee gegründet, war zeitweise Hansemitglied und wurde im 17. Jahrhundert zur ständigen Residenz der Könige Schwedens. Die Prachtbauten aus den goldenen Jahrhunderten der schwedischen Krone lassen sich heute noch bewundern.
Der heutige Stadtraum verteilt sich, ausgehend von der mittelalterlichen Altstadt, auf 14 Schären.
Mein ultimativer Höhepunkt Stockholms ist sicherlich das Vasamuseum auf Djurgarden. Am 10.August 1628 sank noch im Hafen das seiner Zeit größte Schiff der schwedischen Monarchie mit Mann und Maus. Das Schiff mit allem, was an Bord war, wurde vor ca. 70 Jahren gehoben. Im eigens dafür errichteten Museum „erlebt“ man Geschichte, weil man hier auf verschiedenen Höhen sich das gesamte Schiff anschauen. Das Leben der Seeleute auf einem Schiff des 17.Jahrhunderts wird hier durch Nachbauten und Inszenierungen mit Alltagsgegenständigen und Werkzeugen.
Den Abschluss bildet das szenige Treiben rund um den Mosebacke Torg, verbunden mit einem fantastischen Blick auf die von der Abendsonne beleuchtete Schokoladenseite Stockholms.

































